Mittwoch, 5. September 2018

Road of Mushrooms (Bones)

Nachdem uns der Tag am Vorabend mit einem wunderbaren Sonnenuntergang verabschiedet hat, begrüßt uns der folgende Tag mit Hochnebel. Die Temperaturen sind unangenehm frisch. Da hilft nur ein warmes Frühstück! 
Als ziemlich praktisch hat sich Porridge (Brei) erwiesen. Die Verpackung ist klein und leicht, also wunderbar zu transportieren und damit prädestiniert für Motorradreisende. Geschmacklich ist es meistens kein Erlebnis. Um etwas Würze in den morgendlichen Frühstücksalltag zu bringen haben wir 3 Großpackungen mit jeweils 10 Päckchen gekauft. Zwei davon sind mit Früchten versetzt, eine ist ohne Geschmack. Äußerlich nicht zu unterscheiden, hat nun jeder ein Päckchen ziehen und sich dann über sein Losglück freuen dürfen. Ich sag nur so viel: bis zum Ende der Reise war ich geschmacklos unterwegs *grmpf*.


Die Weite Sibiriens

Bevor wir unsere Zweiräder starten, hat jeder das Vergnügen mit verzogenem Gesicht in seine nassen Motorradklamotten einzusteigen. Heimat für die folgenden 5 Tage.
Der erste zu querende Fluss lässt nicht lange auf sich warten. Wieder wird deutlich das in den letzten Tagen viel zu viel Regen gefallen ist. Das ursprüngliche Rinnsal ist dermaßen angeschwollen, dass es sich mit kleineren Nebenflüssen zu einem größen Bach vereinigt hat. Nach einigem Überlegen und Bewerten der Situation haben wir uns für einen Zickzack - von Ufer zu Ufer - entschieden. Chris fährt vor und kann mit sich mit einem kräftigen Gasstoß an das andere Ufer retten.
Nun bin ich dran. Mir kreisen meinen ersten schlechten Erfahrungen von der BAM im Kopf herum: nicht in den Fluss fallen, konstant Gas geben, vorausschauen, nicht in den Fluss fallen!!! Nein ich muss dieses beginnende Trauma endlich besiegen - also mit Gas und pumpendem Herz rein in die Soße und ....durch!! Ebenfalls mit kreischendem Motor erklimme ich das andere Ufer. Puuhh.


Erster zu querender Fluß

Der nächste Streckenabschnitt der insgesamt ca. 360 km langen Road of Bones ist der eher trockene Teil, heißt kleinere Flüsschen bzw. Bäche, Pfützen sind zu queren, der Weg als ganzes aber ist gut fahrbar. Weg heißt für deutsche Verhältnisse schlechter Feldweg: morastisch, schottrig, wurzelig...
Die Gegend ist schon sehr abgeschieden, trotzdem sind noch Spuren von Geländewagen erkennbar. Bald schon erkennen wir warum. Es sind die Jäger die sich soweit heraustrauen: Bärenfallen. Anscheinend ist Meister Petz nicht wie in Europa geschützt - und falls ja, dann wird es wahrscheinlich hier keinen interessieren. Ganz in meinem Sinne, hat aber schon jemand vorgesorgt, dass die Bärenfalle nicht auslösen können - ein ziemlich stabiler Stock ist in die Türschiene gerammt worden :)


Bärenfalle mit Auslöseverhinderung

Mittlerweile ist die Sonne herausgekommen, die Luft ist wärmer und es macht richtig Spaß über Stock und Stein zu heizen. Genau das richtige Wetter für Pilze. Diese sehen wir zu tausenden stehen und könnten (wie im Titel) namensgebend sein...Knochen haben wir übrigens keine mehr gesehen.

Apropos Knochen. Die Straße mit offiziellem Namen R504 - oder auch im Volksmund "Kolyma Highway" (die Kolyma ist der Fluß der mehr oder weniger in der nähe der Straße läuft) oder auch Road of Bones (Straße der Knochen) ist das Ergebnis der Anstrengungen Stalins Ost-Sibirien infrastrukturtechnisch an das Großreich Russland anzugliedern - hauptsächlich um sich die wertvollen Rohstoffe der Minen zu sichern. Tausende von Kriegsgefangenen und Gulag-Häftlingen liessen beim Bau der Straße ihr Leben. Da es viel zu anstrengend war die Leichen im Permafrostboden zu begraben, wurden sie kurzerhand in das Schotterbett der Straße "eingebettet" und haben der Straße zu ihrem weltberühmten Namen verholfen. Weitere Info gibt es hier: Road of Bones.

Im Wechsel zwischen ersten und zweiten Gang kommen wir gemächlich voran, der Zustand der Strecke lässt einfach nicht mehr zu.
Jäh zum Abbruch kommt unser Vorwärtsdrang als der Weg vor uns einfach aufhört und in Wasser übergeht - mit einem 2 Meter Höhenunterschied! Hier wird uns ein erster Vorgeschmack auf die kommenden Kilometer präsentiert: Auswaschungen der starken Niederschläge haben den Weg einfach weggespült. Der Brücke muss das schon vor einiger Zeit passiert sein.

Weggespülte Strecke

Die einzige Möglichkeit zum Weiterfahren sehen wir, indem wir eine kleine Rampe in den Hang schlagen, ein Motorrad steil nach unten lassen, um 180° drehen und am Uferrand entlang schieben. Mittig ist der Fluss zu tief, aber weiter unten gibt es eine seichte Stelle an der wir an das andere Ufer kommen, um die andere Seite wieder flussaufwärts zu schieben und wieder auf festem Grund zu stehen. Eine Schinderei die gut und gerne eine Stunde kostet, aber mit Glücksgefühlen endet.


Entlang des Ufers schieben - das Bild täuscht, man brauchte 3 Personen!

Die Landschaft und die Einsamkeit begeistert uns ein um das andere Mal. Wir sind in einem bergigem Gebiet gelandet, welches durch seine gelben Berge anziehend wirkt. Es ist unvorstellbar, dass irgendjemand je auf Einem dieser hunderten Gipfeln jemals stand. Einsamkeit pur. 


Im Hintergrund die gelben Berge - großflächiger Flechtenwuchs ließ die Berge in der Sonne leuchten.


Wieder mal eine Flussquerung


Faszinierende Landschaft und Einsamkeit
Wetter bilden sich und gehen so schnell wie sie kommen.

  
Für mich persönlich sind die Sumpfquerungen das Herausfordernste. In der Regel merkt man durch fehlenden oder reduzierten Baumwuchs die Sumpfflächen kommen. Die Road of Bones hält leider einige davon parat und ein wirklich riesiges Gebiet kostete richtig Kraft. Der Weg ist nur noch zu erahnen, da sich gewaltige Pfützen beziehungsweise Sumpflöcher aneinanderreihen. An Durchfahren ist nicht mehr zu denken, man würde einfach drin steckenbleiben und muss die Maschine dann herauszerren. So sucht man sich eine Umfahrung, da das ganze Gebiet großflächig aufgeweicht ist hat man nicht zuviele Optionen. Hinzu kommt noch, ist jemand vorher schon auf dem Streifen (am Sumpfloch vorbei) gefahren ist dieser bereits verbraucht - der Nächste der darüber fahren würde darin steckenbleiben - wir sprechen da aus Erfahrung! 
Wenn man in einem Sumpfloch stecken bleibt und das Hinterrad durchdreht, dann hilft nur noch Maschine auf die Seite legen, daran wie ein Wilder zu zerren bis das Hinterrad wieder halbwegs auf festem Boden, zumindest aber aus dem eingefahrenen Bereich ist, wie aufrichten und mit viel Gefühl versuchen herauszufahren - die Maschine schiebend, während die anderen zwei das Vorderrad führen bzw. das Heck anheben. Das ist richtig Arbeit und man kommt so richtig ins Schwitzen. Während man selber flucht schreit der Moskitoschwarm über einem 'Halleluja' vor Glück.

Festgefahren!

So geht es richtig.

Die Anstrengung steht uns ins Gesicht geschrieben.

Wir schaffen 160 Kilometer und campen vor dem nächsten Fluss. In der Hoffnung, dass er am nächsten Morgen abgeklungen ist und wir ihn problemloser queren können. Die Sonne scheint, wir sind happy und hängen alle Klamotten auf. Obwohl wir wissen, dass wir am nächsten Morgen sofort wieder nasse Füße haben werden, ist der Gedanke an ein trockenes Schuhwerk viel zu schön - und wenn es auch nur für Minuten ist.

Pseudotrocknung.

Der nächste Tag wird kurz, wir schaffen nur 9 Kilometer. Aber die haben es in sich. Nachdem die morgendlich Flussquerung geschafft ist taucht die nächste Auswaschung auf. Dieses Mal muss aber nicht bloß der Fluss gequert werden, sondern es hat längs gute 100 Meter weg weggeschwemmt. Nach einigem Hin und Her und Abwägen der Optionen bauen wir wieder eine kurze Rampe nach unten und am anderen Ende nach oben. Zu dritt müssen wir jedes Bike einzeln am Rand durch das Wasser schieben. Ein querliegender Baum gibt noch ein kleines Extra an Nervenkitzel, denn wir müssen kurzzeitig in tieferes Wasser um herum zukommen. Aber auch dieses Hindernis schaffen wir in guter Teamarbeit.

Weg adé. Mittig hinten im Bild sieht man die Strecke weitergehen.

Als wir diese Herausforderung hatten sind wir superfroh!! Unsere Jakutsk-Bekanntschaft, welche die Strecke ein paar Wochen vor uns bewältigt hatte, sagte das es nur zwei Auswaschungen gäbe - somit hätten wir die geschafft!! Uns ahnt schlimmes als wir keinen Kilometer später vor einem noch größeren Problem stehen - Auswaschung mit tiefem Wasser!!!
 
Weggespülter Weg reloaded. Das andere Ende ist wieder mittig hinten zu sehen.

Unsere Befürchtung, dass die Starken Niederschläge der letzten Tage der Strecke weiter zugesetzt haben bestätigen sich damit. Was da vor uns liegt versetzt uns in Stirnrunzeln. Wie sollen wir das schaffen. Höhenunterschied mindestens 2,50 Meter. Strömung stark. Wasser tief. Nach Erkundung der Umgebung bleiben uns nur zwei Optionen:
1. Umkehren.
2. Einen Weg in den Schieferberg schlagen um damit zurück auf die Strecke zu kommen.

Option eins zogen wir nicht lange in Erwägung, weil wir dachten, dass wir fast durch sind  (und zum Glück nicht wussten was da noch kommen sollte, sonst hätten wir durchaus anders entschieden) und wir dann ja wieder durch die bereits hinter uns liegenden Auswaschungen gemusst hätten. Null Bock darauf! Also in die Hände gespuckt und mit Klappspaten, Händen und Füßen einen Weg in den Berg geschlagen. Warum tun wir uns das eigentlich an? die Frage geisterte wahrscheinlich öfter in unserem Kopf herum als uns lieb war. Aber der Fortschritt war ersichtlich und motivierend und somit erreichten wir nach 4 Stunden das andere Ufer. Uffff.
Da unsere Konstruktion ziemlich grazil war, und es ziemlich steil den Berg hinunter und ins tiefe Wasser ging, sattelten wir ab. Weniger Gewicht hieß weniger Druck und auch weniger Gewichtsschwankung. Der erste Versuch von Chris ging aber gewaltig in die Hose bzw. Büsche. Der hohe Schwerpunkt und eine ungünstige Gewichtsverlagerung brachten Chris aus der Balance und ließen die Maschine auf die Seite kippen - zum Glück nichts passiert!!!
Der Rest der Überfahrt verlief dann zum Glück heile.

Glück im Unglück

Der Weg zur anderen Seite

Nach neun Kilometern gesamt war dann Schluss. Ein Fluss über die Hüfte tief lässt uns zur Ruhe kommen. Man muss dazu sagen, es ist bereits 16 Uhr und wir sind nicht böse. Am Morgen sind wir aufgestanden bei Regen. Das Zelt nass eingepackt, mehr schlecht als recht gefrühstückt, den ganzen Tag gewerkt - ein bisschen Trocknung und Ruhe schadete keinem von uns.

Trocknungsfest!

Der nächste Tag hält eine Überraschung parat. Nicht nur der Fluss ist abgeschwollen und passierbar sondern am Ufer haben sich auch neue Spuren eingefunden - und wir sind uns sicher - die noch nicht am Vortag zu sehen waren! Zum Glück haben wir tief und fest geschlafen.

Meister Petz lässt grüßen.

Ein weiterer Tag mit Mooren, Flüssen und verspülten Wegen wartet auf uns:

Festgefahren!

Herausgezerrt!

Gereinigt!

Weggeräumt!


Traumhafte Aussicht.

Diese Tage zerren an den Kräften. Wir sind bereits vier Tage unterwegs. Normalerweise braucht man für die Old Summer Road 2 Tage. Normalerweise. Durch das zögerliche Vorankommen haben wir bereits unsere Vorräte eingeteilt und essen weniger als wir bräuchten. Trotzdem erwischt es uns. Uns geht das Essen aus:
Ein überschwemmter Fluss zwingt uns erneuert zur Pause. Nur dieses Mal haben wir kein Glück, dass es am nächsten Tag weiter geht. Der Pegel ist zwar niedriger geworden, aber immer noch zu hoch zum Queren. Also einen ganzen Tag Pause einlegen! Das schlägt natürlich auf unser Gemüt, sind wir doch mit der Motivation aufgestanden heute die Strecke abzuschließen! No way. Zusätzlich macht uns zu schaffen, dass wir am Vorabend unseren letzten Brei gegessen haben. Nicht, dass es mir etwas ausgemacht hätte auf den Brei zu verzichten, aber jetzt wo wir Kraft für die Bewältigung der Strecke brauchten nichts mehr zu haben hat uns beschäftigt. Glücklicherweise war im Umkreis ein großer Hagebuttenstrauch! Pflücken und entkernen war die größte Tagesaufgabe. Hagebutten roh, gekocht und im Sud haben uns durch den Tag gebracht. Auch haben wir zwei Birkenpilze gefunden, bei den anderen waren wir uns nicht sicher...merke: eine Pilz-App auf dem Handy ist sehr sinnvoll in dieser Situation!
Kleine Nebenepisode: ca. 200 Meter entfernt haben wir am Vortag einen Monsterbären gesehen! Hat uns in unserer Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt...


Nickerchen während der Wartezeit

Dieser Fluss brauchte zwei Tage bis er passierbar war.

Endlich hatten wir diesen Fluss geschafft! Das GPS zeigte noch 4 bevorstehende Flussquerungen an. Bald geschafft. Vor dem größten Hindernis hatten wir aber noch Respekt und gedämpfte Vorfreude. Sowohl die Jakutsk-Bekanntschaft als auch die Gruppe Neuseeländer aus Tomtor sagten, dass der Hammer der letzte zu querende Fluss ist. Sehr breit und eine hohe Fließgeschwindigkeit kann eine Querung bei Hochwasser unmöglich machen! Nichts ist unmöglich! Vor allem wenn man keine Sprit mehr hat umzukehren. Die mehrheitliche Fahrt in erstem und zweiten Gang hat den Lebenssaft unserer Boliden im Nu dahinschwinden lassen.



Niemals den Spaß verlieren!


Als wir schließlich am letzten Fluss stehen, sehen wir schon den überschwemmten Zugang zum Fluss. Oh oh. Aber ein Blick dem Ufer entlang zeigt eine kaputte Brücke. Diese reicht zwar nicht mehr bis an die andere Seite, aber zumindest bis auf die Insel im Fluss. Außerdem rollte ein Unwetter heran - ein Bote der das Wasser wieder steigen lässt. Und da wäre der unbedingte Wille endlich an das Ende des Weges zu nennen. Wir wollen hier raus und das schnell.
Anscheinend hat das unsere Risikobereitschaft noch etwas gehoben. Relativ schnell entscheiden wir uns für einen Weg. Planken aus der Brücke reißen und nach unten aufstellen. Die Insel entlang fahren und dann nochmal volles Rohr durch den Fluss heizen um auf der anderen Seite zu stehen. Der Plan geht auf. Letzter Fluss geschafft, viel besser als wir uns das gedanklich ausgemalt hatten.

Brücke zurück in die Zivilisation.


Rampe ins Glück.
Von hier aus sind es noch ein paar pfützige Kilometer bis zur Hauptstraße. Kein Problem mehr. Meine Offroad-Fahrkünste sind in den letzten Tagen von fünf Prozent locker um das zehnfache gestiegen. Das Herz ist happy, der Geist gestärkt, der Körper geschwächt.


Tschaakaaaaa Old Summer Road geschafft!!!!

Die ersten Russen die wir treffen und von unserer Geschichte erzählen haben Mitleid und schenken uns Essen. Wie die Wilden fallen wir darüber her. Peinlich, aber ist uns in diesem Moment egal.

Bis zur wirklichen Zivilisation mit der Kleinstadt Susuman haben wir noch 150 Kilometer...aber davon berichte ich im nächsten Kapitel...





Freitag, 17. August 2018

Bis zur Road of Bones


Den freien Tag in Jakutsk verbringen wir hauptsächlich mit Fahrzeugpflege. Steff hat sich mit einem lokalen Mechaniker einen Termin ausgemacht um die leckende Gabel, den schreienden Auspuff in Ordnung zu bringen und neue Reifen aufzuziehen. Am Abend treffen wir noch Hannes (D), Gary und Dave (UK) welche vor kurzem die Road of Bones gemeinsam durchfahren haben. Horrorgeschichten von Monsterbären,  Erdrutschen und Flussdurchquerungen haben ihnen 2,5 schlaflose Tage eingebracht und unsere Vorfreude angespornt! An einem Tag konnten sie aufgrund von Hindernissen nur 28 km fahren, zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir das toppen können...

Steffs KTM in der Reparaturhölle



Die Bikes sind ready for the road of bones!

Lustiges Detail am Rande: Obwohl Jakutsk kein Musterknabe an Reinlichkeit ist und in Trockenzeiten der Staub durch die Straßen fegt, legt unsere Gastgeberin besonders viel Wert auf Sauberkeit - wir dürfen das Haus nicht mit Schuhen betreten, sondern müssen sie im Vorsaal ausziehen und dürfen uns nur mit Socken bzw. blauen Überziehern fortbewegen.

Jakutsk - die Hauptstadt der Region Jakutien - liegt bereits im "Kältekreis" und im Winter können es hier schon mal schnell -50 (!) °C werden!

Der Tag an dem wir aufbrechen empfängt uns mit Regen. In der Stadt steht das Wasser auf den Straßen und jedes Fahrzeug spritzt Fontainen von Wasser hoch. Die Kettenpflege am Vortag hätten wir uns sparen können.  Wir setzen in 1,5 Stunden wieder über die Lena über (stromaufwärts) und aufgrund des schneidenden Windes lässt der Matrose uns im Vormaschinenraum aufwärmen.
Nach ca. 10 km Asphalt auf der anderen Seite hört der Spaß auf bzw. fängt an: die Straße ist total aufgeweicht und der ehemals fest(gefahren)e Untergrund wird zur Rutschbahn. Wir rutschen wie auf Seife hin und her, den Autos geht es genauso und sie kommen uns manchmal verdammt nah. Der Lehm klebt an unseren Reifen, so dass das Profil verschwindet. Unweigerlich führt das auch ab und zu zum Sturz in Slowmotion. Verletzt wird niemand, höchste Konzentration gefragt. Irgendwann kommen wir darauf, dass wir diese Passage besonders schnell fahren müssen, denn durch die entstehenden Kreiselkräfte am Rad wird der Schlamm wieder ins Nirvana geschleudert und unser Profil fängt wieder zu greifen an. Also auf die Lippe gebissen, sich hingestellt und kräftig am Gashahn gezogen und nach anfänglicher Eierei stabilsiert sich die Fuhre und nach einer Weile fängt es an richtig Spaß zu machen!

Schlammschlacht I

Schlammschlacht II



Schlammschlacht III
Erstes Schild mit unserem Endziel: Magadan 1834 km



Da wir nur recht langsam vorankommen müssen wir uns rechtzeitig um eine Unterkunft kümmern. Weiter als Churapcha kommen wir nicht, als nicht geplanter Zwischenstopp haben wir auch keine Unterkunft vorab kontaktiert. In unseren Karten sind zwei Hotels bzw. Gostinitzas eingezeichnet, wie sich herausstellt muss der Business schon eine ganze Weile zurück liegen - beide Häuser liegen verlassen da. Wenn wir Einheimische fragen werden wir von einer Ecke in die andere geschickt. Es fängt an zu dunkeln und die Nerven sind bereits strapaziert, wir sind kurz davor im Regen campen zu gehen. Da hat das Schicksal doch noch eine Überraschung parat und schickt uns Deni mit seinem Bruder. Der junge Kerl will uns helfen und führt einige Telefonat, fährt wieder weg und kommt wieder. Um es kurz zu machen, wir landen am Ende bei ihm zuhause wo er mit seiner Mutter, Bruder, Frau und zwei Kindern lebt. Sie haben ein Bett, einen Schlafsessel und eine Schlafcouch hergerichtet - perfekt. Wir sind fasziniert von der Einfachheit (im positiven Sinne) und Gastfreundlichkeit. Wir bekommen ein einfaches Abendessen und Frühstück vorgesetzt, aber es es schmeckt und wir werden alle satt. Am nächsten Tag dürfen wir sogar noch unsere zweirädrigen Freunde mit dem Hochdruckstrahler reinigen. Der Besuch war wieder ein tolles Erlebnis!
Einen Wermutstropfen gibt es aber noch: am Abend hatte Steffs Kati mit Kupplungsproblemen zu kämpfen...


Deni mit Bruder und Kindern vor seinem Haus

Die folgenden Tage werden entscheidend für die Reise. Aufgrund der zunehmenden Kupplungsprobleme an Steffs Motorrad entscheiden wir, dass er nicht die Road of Bones fahren wird, sondern auf der "neuen" Umgehungsstraße in Begleitung unserer neuen AfricaTwin-Freunde (Pjotr + Natascha aus Wladiwostok, George aus Jakutsk) fahren wird. Diese Entscheidung stellt sich später als goldrichtig heraus, obwohl es sehr schade ist, dass für Steff dieses Mal dieser Traum unerfüllt bleibt.


Auf dieser Fähre lernen wir die AfricaTwin-Fahrer kennen.

Tanken wird immer archaischer je östlicher wir kommen.

Gemeinsames Zelten mit Pjotr, Natascha und George

Der erste Tag zu dritt soll zur ersten Prüfung werden. Wir durchfahren ein herrliches Tal als uns jäh ein Stau stoppt! Stau? Hier?? Hier fährt doch kaum ein Auto! Als wir uns vorbeischlängeln sehen wir die Ursache: ein LKW hat sich komplett über die Straße verkeilt. Da wir noch einiges an Strecke vor uns haben fackeln wir nicht lange: im nebenliegenden Flussbett fährt Chris am LKW vorbei, wir folgen. 

Verunfallter LKW

Jetzt entstehen zwei separate Geschichten:
1. Chris kommt hinter dem LKW wieder auf die Straße, dass scheint einem Trucker überhaupt nicht zu gefallen und er fällt Chris an, was sich an wildem Rütteln an seinem Bike äußert und als Krönung mit einem Steinwurf auf Chris endet! Zum Glück hat er einen Helm auf, den der wird ziemlich zerstört bei der Aktion. Verrückter alkoholisierter Trucker! Und so etwas fährt im Straßenverkehr riesige LKWS spazieren!!!
2. Paul und ich bleiben im Flussbett hängen. Pauls Kette ist heruntergesprungen und es geht keinen Meter vor noch rückwärts. Im Fluss wursteln wir die Kette wieder drauf, dass dauert so lange, dass in der Zwischenzeit der querstehende LKW wieder in Fahrtrichtung gebracht wird und sich das Hindernis und damit der Stau auflöst. Wir entscheiden umzudrehen und aus dem Fluss so herauszufahren wie wir herausgekommen sind. Auf der Straße angekommen bemerken wir, dass Pauls Teneré Öl verliert. Die losgelöste Kette hat ein Stück vom Motorgehäuse herausgeschlagen und genau einen Ölkanal erwischt! Schöner Mist, aber uns bleiben keine anderen Optionen als eine Operation am offenen Herzen. So nehmen wir den Motordeckel auseinander und dichten die Stelle großzügig ab. Die Ironie an der Geschichte: die Dichtmasse bekommen wir vom Unfall-LKW-Fahrer! Ohne seinen Unfall wären wir nicht ins Flussbett gefahren und die Kette wäre nicht vom Ritzel gesprungen und hätte das Gehäuse beschädigt!


Reparatur des gesprungenen Motorgehäuses am Wegesrand

Glücklicherweise bleibt die Teneré dicht bis zum Ende der Reise. Wir können unseren Trip erstmal fortsetzen, unser Ziel ist Tomtor, das Tor zur Road of Bones, der alten Sommerstraße.


Fahrt durch tolle Landschaften



Bekannte Tankstelle am Abzweig zur Road of Bones

Doch wir sollten Tomtor an diesem Tag nicht mehr erreichen. Gleich der erste Fluss ohne Brücke macht uns einen Strich durch die Rechnung. Durch anhaltende Unwetter an den vorhergehenden Tagen sind die Gewässer über die Maße angeschwollen und ein durchkommen für uns wird unmöglich. Vierrädrige Fahrzeuge schleppen sich mit Seilen gegenseitig durch den Fluss. Chris, der größte von uns und damit unser Flussvorausgeher, hat Probleme der Strömung standzuhalten. Somit ergeben sich nur zwei Optionen: entweder auf einen LKW warten der unsere Mopeds laden kann oder warten bis sich das Wasserniveau senkt. Das Warten wird unser Freund der nächsten Tage.

Erster Halt: hochwasserführender Fluss
Testquerung

Nikolaj, 77 Jahre, einarmig, wohnt auf der anderen Flussseite und lädt uns zu sich ein (es gibt noch eine kleine Fußgängerhängebrücke) um zu übernachten. Wir müssen dankend ablehnen als wir das Etablissment sichten. Dafür kann ich keine passenden Worte finden. Wir ziehen das Zelt vor.


ständige Wegbegleiter in Massen: Mücken

Am Mittag des nächstes Tages klappte die Test-Flussdurchquerung und mit einer ungeheuerlichen Kraftanstrengung schieben wir alle drei Bikes durch das Gewässer. Unsere Schuhe werden bis zur Abreise aus Russland nicht mehr trocken.


erfolgreiche Flussquerung, Nikolaj auf der anderen Seite

Tolle Landschaft Richtung Tomtor



Als wir Tomtor erreichen, erreichen wir auch unsere letzte Basisstation an der wir Vorräte und Benzin auffüllen können bevor es in die Wildnis geht. Tomtor ist ein größeres Dorf und stellt den Kältepol unserer Erde dar! Im Winter wird es bis zu MINUS 70°C kalt (gemessen -71,2°C). Ich denke, dass diese Temperatur bestimmt jeder gerne mal erleben will - aber hier wohnen?! Da muss man schon aus besonderem Holz geschnitzt sein. Wir kaufen ein und tanken auf und fahren 20 km aus dem Dorf wo wir campen. Ab jetzt beginnt der alte Kolima Highway, oder alte Sommerstraße oder Road of Bones!!

Denkmal zum Kälterekord. Die Geschichte sagt, dass Tomtor ein digitales Thermometer mit Datenaufzeichnung geschenkt wurde. Es hat den nächsten Tag nicht überlebt.

Anfang der Road of Bones.

Samstag, 4. August 2018

Road of Bones - CRASH! Pech! BAM!

Wir verlassen Sewerobaikalsk beizeiten. Zunächste geht es noch eine ganze Weile am Baikalsee entlang bevor es das erste Mal mit über 70 Sachen über eine breite Sandpiste geht. Wir fahren stundenlang im Stehen, die Motorräder tänzeln unter uns.
Alexej hat einen Plattfuss an seiner Suzuki, als Chris nach einer Weile merkt, dass keiner mehr folgt dreht er um und zwanzig Meter vor Alexejs Bike bleibt er ebenfalls mit einem Platten liegen - Nagel! Und nicht der letzte Platten...



Beim Schlauchwechsel


Wir fahren die West-BAM. Die Baikal-Amur-Magistrale ist eine Bahnstrecke, welche das Gebiet Ost-Sibieren bzw. Ferner Osten erschliessen sollte. Die Bauzeit bis zur Inbetriebnahme 1984 betrug 10 Jahre. Wir fahren mehr oder weniger die alten Versorgungsstrecken, welche wie Chris so schön ausdrückte u.a. "the pinnacle of motorcycling adventure" (die Spitze des Abenteuermotorradfahrens) ist. Wer mehr über die BAM erfahren möchte klickt hier.

Die nächsten Tage sind wir eigentlich offline, das heißt keine Kommunikation zur Aussenwelt mehr möglich und nur noch Wald, Wald, Wald und Bahnstrecke, Bahnstrecke...

Die Strecke verlangt uns einiges ab. Schlammlöcher Oberschenkel-tief, Wege wie Mondlandschaft - man hüpft von Krater zu Krater, tiefe Sandwege, Pfützen die kleinen Teichen gleichen, Flussdurchquerungen...

Breite Sandtrassen

Schlammpassagen

Teichpfützen...

Teichpfützen II

Teichpfützen III

Teichpfützen IV

Da die alten Versorgungswege nicht mehr erhalten werden, verrottet so ziemlich jede Brücke. Nach zig überquerten Problembrücken sollte mich eine eher unscheinbare Brücke zu Fall bringen: ich überquere die ca. 10 Meter lange brücke und bemerke, dass mittig in meiner Spur zwei Querplanken fehlen, um nicht in das Loch zu fahren und kopfüber abzusteigen muss ich Gas geben. Soweit okay, doch was ich nicht sehe ist, dass nach den Planken/ am Ende der Brücke ein riesiges Loch klafft mit einem fiesen Stein als Abschluss. Mit voller Fahrt krache ich in das Loch, es gibt eine mächtigen Knall als mein Vorderrad mit dem Stein kollidiert und dann hebt es mich ca. ein Meter in die Luft bevor ich seitlich abdrifte und im Gebüsch lande. CRASH! Mir ist nichts weiter passiert, aber Qdus Front hat gelitten. Die Felge hat einen fiesen Schlag erlitten und fortan hat das Rad eine acht und der Lenker vibriert beim Fahren. Mist! Aber außer Speichen prüfen und sporadisch nachziehen können wir nichts machen.

Brückenquerung X von ca. 200

Brückenquerung X+1 von ca. 200

Fehlende Planke

Fetter Felgenschlag


Flüsse können tückisch sein. Von außen scheinbar sanft dahinfließend entwickeln sie doch mächtig zug wenn man in ihnen steht bzw. sie durchfährt. Die erste große Flussquerung sollte zu Steffs und meinem Verhängnis werden. Als ich reinfahre komme ich gut durch bis zur Hälfte, bleibe dann aber mit dem Vorderrad an einem großen Stein hängen, meine Füße sind rechtzeitig unten, die Steine aber so glitschig das ich keinen Halt finde und schwups liege ich samt Qdu in der Gruppe. Schnell Motor ausmachen und dann kommt mir jemand zu Hilfe. Wir haben beide nasse Schuhe, welche die nächsten 5 Tage nicht mehr trocken werden sollten. Steff rutscht sogar zweimal weg und landet im kühlen Nass.

Kurz vor Chara, was ca. mittig auf unserem BAM-Abschnitt liegt holt sich Steff einen Plattfuß. Da es nur 500 Meter bis zur nächsten Werkstatt sind entscheiden wir direkt da hinzufahren. Die Werkstatt kann man sich als schwarzes Garagenloch vorstellen in dem ein junger Kerl schraubt und 4 Typen schlau daher reden. Ich zeige dem Typen mein Vorderrad. Okay ausbauen. Gemacht. Er fängt an mit einem schweren Hammer draufzuschlagen, ich schaue ihn kritisch an - zu spät! Es kreischt kurz und die Felge reißt zwischen zwei Speichen! Verdammte Schei...! entfährt es mir. Es ist einen kurzen Moment ruhig und alle schauen sich gegenseitig an. Dann wildes Gerede der Anwesenden und mir ist leicht übel. Bedeutet das mein Ende der Fahrt! Aber wir wären nicht in Russland wenn es nicht zumindest noch eine Option gäbe! Es wird telefoniert, 10 Minuten später kommt ein klappriger Schiguli (Lada) vorgefahren, ein Mann in den 50ern im abgetragenen Arbeitsdress steigt aus. Ein kurzes Gespräch mit dem Mechaniker und die Info an mich, dass es zwei Stunden dauern wird. Alles klar, was soll ich sonst machen.
Während der zwei Stunden reparieren wir Steffs Bike und die anderen gehen schon ins Gästehaus.
Nach knapp zwei Stunden fährt der Schiguli wieder vor. Das Vorderrad sieht bis auf die Schweißnaht zwischen den Speichen wieder ziemlich gut aus. Drin wurde kräftig geschliffen. Alles gut, ich kann zumindest erstmal weiterfahren. Rock'n'Roll. Von dem schiefen Eindrehen der Vorderachse inklusive Gewindebeschädigung oder dem falschen Aufziehen der Reifen schreibe ich jetzt nichts weiter...

Am nächsten Tag hangeln wir uns weiter durch kleine Wege, Teichpfützen, Rumpelstrecken, Bahntrassen, Flüsse. Es sollte mich nochmal treffen. In einem unscheinbaren Flüsschen bin ich wieder auf der falschen Spur unterwegs, während Chris vor mir auf der linken Spur locker durch den Fluss rauscht fehlt in meiner Spur - unsichtbar für mich - ein Stein und ich knalle wieder in den Fluss. Halleluja. Am anderen Ufer checke ich mein Vorderrad und wieder ein Schlag, so ziemlich an der gleichen Stelle. Ist soviel Pech zu fassen?!!? Seit diesem Vorfall habe ich ein leichtes Flusstrauma und beobachte immer erst die anderen bevor ich kreuze. Bei jedem Stopp das Vorderrad inklusive Speichen zu checken gehört jetzt zu meinen Pausenarbeiten.

Nächster Schlag, ziemlich gleiche Stelle


Ein Highlight ist die Vitimbrücke. Sie ist einen Kilometer lang und steht 15 bis 20 Meter über dem Wasser. Interessant wird es durch die fehlenden Geländer. Im Grunde sind es nur lose aneinander gereihte Holzplanken welche am verrotten sind. In der Mitte ist ein Schlauch verlegt, dadurch hat man nur noch die Hälfte der Breite...seht selbst: hier das Video von Chris bei der Überquerung: Video


Vitimbrücke

Blick von der Vitim


Abgesehen von den kleinen Missmanövern haben wir viel Spaß und Adrenalin im Blut. Die Fahrt ist herausfordernd, aber herrliche Landschaften bezaubern immer wieder unsere Augen. Mit 1340 Meter passieren wir auch den höchsten Punkt der Strecke. Ein herrlicher Ausblick verwöhnt für die Strapazen. Wir sollen zwei Rentieren und Bären sehen.


Grandiose Landschaft

Qdu am Strand



Die Fahrtage sind oft lang und zelten ist in diesem abgelegenem Gebiet obligatorisch. Meist direkt neben dem Gleis, und wenn die schweren Züge (mit bis zu vier vorgespannten Dieselloks) vorbeirauschen wackelt das Zelt und der Boden und man hat das Gefühl direkt im Gleis zu liegen. Faszinierend.

Ohne Moskitoschutz geht nichts


Nach ca. 1250 Kilometern erreichen wir Tynda - unser BAM Ziel. Und nachdem wir auf den letzen 200 Kilometern viel Staub geschluckt haben freuen wir uns auf ein schönes Hotel. Es gibt laut Google genau 3 Hotels. Ein schönes, zwei eher mäßige (und das heißt echt schäbig!). Alle drei sollten ausgebucht sein. Aber der Hotelgott sollte wohl doch noch ein Erbarmen haben und schickt uns einen jungen glasäugigen Russen, der zunächst mehr Interesse an den Bikes hat. Im Gespräch zeigt er mir in Google noch eine "Gostiniza" (Gästehaus), welches nicht in demselbigen vermerkt ist. Und sie gibt es wirklich - aber ausgebucht. Das humpelnde Väterchen hat aber Erbarmen und räumt seine Garage - und wir unser Garagenhotel! Der Garten wird von unserem ganzen Equipment in Beschlag genommen, dass muss noch trocknen.

Tynda erreicht!

Garagenhotel


Abends wird es spät, aber die geschaffte BAM muss gefeiert werden! Jiieejaaaa!

Die nächsten zwei Tage werden lang und eintönig. Wir müssen straff nördlich nach Jakutsk. Hügellige bewaldete Landschaft prägt das Bild. Breite Schottertrassen oder Asphaltabschnitte bestimmen den Tag. Steffs Gabel leckt aus beiden Holmen, so dass wir einen längeren Zwischenstop zum Reparieren einlegen müssen. Abends wird es empfindlich kalt mit 5° Celsius. Es dunkelt bereits und wir wollen nicht mehr campen. An einem Café am Weg hat die Besitzerin anscheinend Mitleid mit uns und wir können auf dem staubigen Dachboden schlafen. Nach Hotel Garage, nun Hotel Dachboden. Wir sind froh.

Breite Sandtrasse durch nicht endenden Wald


Am nächsten Tag noch 700 Kilometer abspulen und wir sind in Jakutsk. Beeindruckend war die Überquerung der Lena in der wir anderthalb Woche zuvor noch gebadet haben. Sie ist bei Jakutsk so breit wie der Bodensee und durchsetzt von kleinen Inseln. Auf betagten Kuttern setzen wir in 50 Minuten für gerade mal 2 Euro über.

Überfahrt der Lena


Einen Tag frei bei dem wir unsere Vorräte aufstocken und die Bikes reparieren bzw. pflegen müssen, damit sie fit für den zweiten Teil der Reise sind. Steff hat mit seiner KTM einen langen Tag. Ich sehe genau das Vorderrad, welches in Qdu passt bei einem (dem einzigen Motorradhändler hier) Yamahahändler, der möchte es aber nicht hergeben (da es in einem neuen Bike verbaut ist). Das Angebot es nochmal richten zu lassen lehne ich dankend ab. Qdu wird es so schaffen (müssen), das Risiko noch mehr kaputt zu machen ist mir zu groß.

PS: Wusstet ihr schon das ganz viele Russen mit laufendem Motor ihre Fahrzeuge auftanken? Warum erschließt sich mir auch nicht.
Oder, dass man bei russischen Tankstellen immer im Voraus zahlen muss? Das ist ziemlich anstrengend, da man ja die ungefähre Literzahl wissen muss...
Oder, dass in Jakutsk aufgrund des Permafrosts die Häuser auf Stelzen gebaut sind?