Donnerstag, 27. Juni 2019

Durch die Waldkarpaten nach Lemberg/ Ukraine


Entlang der Hohen Tatra auf slowakischer Seite

Wir verabschieden uns nach der ersten Zeltnacht von Strba und rollen unterhalb entlang der tatrischen Bergkäme. Eine wunderbare kurvige Fahrt mit immer wieder herrlichen Ausblicken auf die Berge als auch in die Ebene. Die Dörfer hier oben wirken rustikal und einladend mit ihren Holzblockhäusern und dem alten Jagdhausstil.

Auf angenehm einsamen Straßen geht es im nordostwärts Richtung Polen. Die Landschaft ist hügelig und immer wieder liegen verschlafene Dörfchen auf der Strecke. Man kann pauschal sagen, dass die Häuser und Gärten immer sehr gepflegt sind und in der Regel sind wunderschöne Blumenrabatten angelegt. Der Duft und der Duft von gemähten Gras geht mir durch die Nase - herrlich.
 
Letzter Blick auf das kleineste Hochgebirge der Welt

Interessante Lösung für ein schattiges Plätzchen

Einsame Straßen im Osten der Slowakei

Unweit der polnischen Grenze passieren wir noch diese Burgruine

Die Grenze von der Slowakei nach Polen passieren wird genause unspektakulär wieder die anderen innereuropäischen Grenzen bisher. Es passiert nicht wirklich viel vom Landschaftsbild, wunderbar hügelig bewaldetes Land mit kurvigen aber guten kleinen Straßen. Die Häuser werden ursprünglicher, Fördergelder werden hier im "letzten Eck" Polens wahrscheinlich zuletzt ankommen.
Bei dem Polen am Seitenrand haben wir schmunzeln müssen, hat er doch auf gerader Strecke seine Suzuki sauber in den Graben gesetzt. Wahrscheinlich war die Straße nach dem Alkoholkonsum nicht mehr so gerade. Mit vereinten Kräften haben wir die Maschine aber wieder herausbekommen.
 

Der polnische Kollege hatte zu viel Slibowitz im Blut

Schöne Holzkirche im polnischen Süden

Waldkarpaten

Die Waldkarpaten sind toll! Wie der Name sagt gibt es hier viel...na wer kommt drauf...Grünpflanzen! Die Straßen sind klein und die Seitenränder hoch bewachsen mit Pflanzen. Wenn ein LKW um die Ecke kommt wird es schon eng! Man merkt, dass der Tourismus Einzug gehalten hat und alles in gutem Zustand ist.
Aufgrund des grandiosen Wetters zelten wir wieder - mit Abstand der günstigtste Zeltplatz der letzten Jahre: 3 Euro!


Schattenspiel

Nachts beim Campen

Der Solinka folgen wir durch die Waldkarpaten

Schwein gehabt!!

Brandenburg... äääääh polnisch-ukrainisches Grenzland

Das polnisch-ukrainische Grenzland glänzt mit Langeweile. Farmland oder Wiesen mit Kühen bzw. Pferden prägen das Bild. Erstaunlicherweise sind die Häuser am Wegesrand meist stattliche Villen bzw. halbe Schlösser. Da fragt man sich wo hier das Geld in den Dörfern herkommt?

An der Grenze braten wir dann in der Sonne bevor wir vorgelassen werden. Alles geschieht in zäher Gemütlichkeit, nach 1,5h sind wir wieder draußen. 
Annekdote: Der ukrainische Zöllner hatte anscheinend seine Brille vergessen, da half auch die zurechtgelegte Lupe nichts mehr. Um aber seinen Job zu machen musste jeder Grenüberschreiter seine eigenenen Passangaben nennen und buchstabieren!

Kurz hinter der Grenze wird relativ schnell klar wo die EU zu Ende ist und die Nicht-EU beginnt. Aus der kleinen polnischen geteerten Straße wird hinter der Grenze eine breite Schotterpiste.
Als der Track uns in ein Militärgebiet führt und der Weg auf 60 cm zusammenschmilzt beschließen wir der Schotterstraße weiter zu folgen - wir wollen ja noch etwas von Lemberg (Lviv) sehen.

Auf überraschenden Straßen (mal Teer, mal Schotter, mal zerbröselte Straße, mal Schlaglöcher eimertief) geht es zur größten Stadt im Westen der Ukraine. Wir kommen zur Hauptzeit herein und Stau füllt die Straßen. Auch hier merkt man den Unterschied zur EU: der Grad an Abgasen den man hier einatmet ist deutlich höher als zuhause.
Die Straßen sind herausfordernd, manchmal zuckt bei mir der Gedanke der Straßenanarchie hoch. Mich wundert es, dass die Straßenbahn noch fahren kann und nicht entgleist, so wild wie die Gleise liegen.

Schlussendlich kommen wir im Hotel an und drehen noch eine Runde durchs Zentrum. Herrlich alte Struktur, viele hergerichtet und ein buntes Treiben überall. Straßenmusiker überlagern sich gegenseitig beim Musizieren. Die warmen Temperaturen locken die Menschen auf die Straße. Wir bleiben am Rynok-Platz hängen, genießen typische ukrainische Pizza (hahahaha) und feiern insgeheim unser erstes größeres Etappenziel ohne Probleme erreicht zu haben.
 

Brüten vor der ukrainischen Grenze

Kurz nach der Grenze

Ankunft am ersten größeren Zwischenziel: Lemberg

Alte Tram (meistens bedient von Damen!)

Armenische Kirche

Buntes Treiben am Rynok-Platz

Interessantes Denkmal

Oberleitungsbusse konkurrieren mit Pferde-Kutschen ;)

In den Parks trifft man sich um Schach, Mühle oder Karten zu spielen


Lemberger Oper

Beleuchteter Rathausturm mit Neptun-Brunnen

Dienstag, 25. Juni 2019

Crossing Slovakia


Bastian der Hauswächter. Veronikas verspielte deutsche Dogge! War ganz traurig als wir gefahren sind...

Pfotenvergleich...

Anhalter bzw. blinder Passagier

Burg von Trencin, leider zu warm um herauf zu wandern

Traditionelle Kohlsuppe in Cicmany!

Und das traditionelle slowakische Getränk - Kofola!

Die Dorfältesten halten sich bei der Hitze im Schatten auf ;)

Altes traditionelles Haus im verschlafenen Cicmany. Das Dorf ist bekannt durch seine weißen Runen an den Häusern. Diese sollen böser Geister fernhalten. Davon mal abgesehen, geben die Zeichen dem Dörfchen einen eigenen heimeligen Charakter. Mir gefällts hier, sehr ursprünglich und rustikal.

Wir durchwandern die bergige Slowakei. Wandern deshalb, weil wir relativ langsam vorankommen und die Landschaft und Strecke genießen. Immer wieder gibt es kleine Offroad-Einlagen.

Am Ende des Tages kommt die Hohe Tatra in Sicht. Der Rysi überragt alles. Gern errinnere ich mich an die Wanderung auf den Gipfel vor zwei Jahren.


Bild unterhalb des Rysis in die Ebene.


Am Zeltplatz in Strba angekommen und fertig für die Nacht.


Abendessen!
Strecke: 276 km
Dauer: 5:44 h

Streckenübersicht

Auf zu neuen Abenteuern! Georgia is waiting!!

Herrlicher Blick auf die Donau von der deutschen Seite


Das kleine Abenteuer für 2019: Drei Wochen Zeit um vom Passauer Land nach Georgien zu kommen.

Warum Georgien? Neugier. Ein Land was bei uns nur wenig bekannt ist und selten durch die Tagesthemen geht. Man(n) weiß, das Georgien ist im Norden vom Kaukasus geprägt ist, Tiflis die Hauptstadt und es an das Schwarze Meer angrenzt. Und was noch? Das wollen wir herausfinden :)
Mehr zu Georgien: HIER 

Die Strecke: Deutschland - Österreich - Tschechien - Slowakei - Polen - Ukraine - Moldawien - Transnistrien - Ukraine - Georgien

Wer: Auf Tour mit Steff (gemeinsame Tour durch Sibirien in 2018)

Die besondere Anforderung: Der Abano-Pass ist der höchste zu befahrene Kaukasus-Pass (2826 Meter). Er zählt zu den gefährlichsten Straßen der Welt: HIER. Da wird Qdu schnaufen!!!


Mit der Fähre über die Donau nach Österreich


Erste Offroad-Einlagen rund um den Moldau-Stausee

Moldau-Stausee

Moldau-Stausee Staumauer


Rozmberk mit der Stadt dominierender Burg

Mittag im Nirgendwo - mit Hermelin und Kofola


Wunderschöne blaue Kornblumenfelder

Ankunft bei Veronika und David (alte Weggefährten von Steff)

Chillout am Abend bei Barbeque und lauem Sommerabend

Der erste Tag führte uns über wunderbar kleine und kurvige Straßen durch Österreich und Tschechien. Es gab kaum Verkehr, die Sonne schien, links und rechts konnten wir die kleinen aber feinen brachliegenden tschechichen Dörfer genießen.
Kurz hinter der slowakischen Grenze hat uns Steff's alte Weggefährtin zum Übernachten eingeladen, was wir natürlich dankend angenommen haben. Die deutsche Dogge Bastian hat sich auch gefreut :)

Strecke: 580 Kilometer
Fahrzeit: 9:40h

Donnerstag, 6. September 2018

Finale!


Der Weg in das nächste Dorf sollte länger als geplant dauern. Als wir die Road of Bones verlassen sind die Spritfässer von Pauls Ténéré und meiner AfricaSingle schon am blinken. 150 Kilometer sollten sportlich sein. Während ich mit konstanter Geschwindigkeit vornweg fahre merke ich das nach einiger Zeit niemand mehr nachfolgt. Aufgrund der Spritproblematik beschließe ich gemächlich weiter zu fahren um möglichst wenig Benzin zu verbrauchen.

Dabei wäre hier so eine wunderbare Strecke um mal abseits zu fahren. Überall sind Geisterstädte zu entdecken! Im Osten Russlands werden viel Rohstoffe, hauptsächlich Gold, abgebaut. Für die Arbeiter muss eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden und somit werden Musterstädte aus der Erde gestampft. Ist nach einiger Zeit die Mine versiegt dann werden diese Städte über Nacht verlassen und Geisterstädte bleiben zurück. Es ist wirklich interessant, denn selbst Autos, die Läden und natürlich Häuser sind alle noch da und in gar keinem so schlechten Zustand.


Geisterstadt

Meine Kraftstoffwarnleuchte blinkt nun seit über 100 Kilometer, die Tankstelle liegt nur 6 Kilometer vor mir als Qdu zu ruckeln anfängt. 200 Meter weiter ist Schluss. Ich warte kurz, aber von den anderen ist auch keiner in Sicht. Also schieben. Zwei Kilometer später hält ein UAZ-Fahrer, nimmt einen alter Kanister von der Ladefläche, ein Stück Schlauch und saugt ein paar Liter ab. Ich bin happy nicht die restlichen 4 Kilometer zur Tanke auch noch schieben zu müssen. Meinen Versuch mich monetär zu bedanken wird natürlich abgelehnt - hier draußen hilft jeder jedem.

Von der Tanke aus fahre ich wieder in die Gegenrichtung um meine beiden Mitstreiter zu suchen. Kurz vor Sussuman kommt mir Chris entgegen - mit Paul am Abschleppseil! Auch bei Ihm ist der Tank leer...

Sussuman hat ein Gasthaus, von Außen schäbig, von Innen ganz okay. Dazu ein kleines Kafe, mit Speisen die garantiert nicht auf der Karte stehen. Uns ist es egal, wir hauen rein während im Zimmer unsere Klamotten trocknen. Die Dusche, für das ganze Gasthaus eine (!), ist zwar in miserablem Zustand, aber uns kommt sie trotzdem himmlisch vor. Wie man doch mit der Zeit seine persönlichen Grenzen herabschrauben kann!

Sussuman ist für sein Flugzeug in der Wand bekannt, was wir auch am nächsten Tag kurz anschauen.


Flugzeug in der Wand

Heute sind wir zeitig los, wollen wir doch die 630 Kilometer an einem Stück durchfahren! Die Strecke wurde uns von den Einheimischen als schlecht beschrieben, aber mit unseren einspurigen Fahrzeugen haben wir natürlich viel bessere Möglichkeiten irgendwelchen Hindernissen auszuweichen. Oder hat uns vielleicht unserer vorherigen Erfahrung mit der Knochenstraße die Straße nach Magadan weniger schwierig wirken lassen?! Auf jedenfall kommen wir gut durch. Selbst das wechselhafte Wetter stoppte unseren Vorwärtsdrang nicht.

Noch eine Geisterstadt

Sind wir froh als wir knapp 10 Stunden später folgendes Schild sehen:



Es ist geschafft! Wir haben gesund und munter Magadan erreicht!!! Yeah!!!
Da eine Sehenswürdigkeit Magadans auf der Strecke liegt, steuern wir sie direkt an: the mask of sorrow (die Maske der Trauer). Infos gibt es hier. Es ist nur so viel gesagt, dass die Maske das Leid tausender Gulag-Häftlingen, politisch Verfolgten oder Minderheiten der Sowjetzeit gewidmet ist.


Maske der Trauer

Wie es der Zufall will, besteigen wir gerade das Monument als auf einmal unsere russischen Freunde Pjotr, Natascha und Vladi um die Ecke biegen! Nach einem verdutzten Blick freuen wir uns zu sehen! Zufälle gibts! Wir machen uns gleich etwas für den Abend aus, Steff ist auch noch in Magadan!

Abends wollen wir uns alle in einer Pizzeria treffen - als wir ankommen ist sie gerade im Umbau und geschlossen. Trotzdem überwiegt die Freude Steff zu sehen und natürlich wollen alle von ihren Abenteuern berichten. Da Pjotr ein großer Fischer ist laden sie uns ein den frisch gefangenen Lachs mit Ihnen zu teilen.
In der Ferienwohnung der 3 Russen wird der Lachs zubereitet während wir unsere Geschichten austauschen. Auch Steff hat noch eine kleine Tortur hinter sich bringen müssen...Reifenplatzer, Reifenpanne, im Container schlafen...


Frischer Lachs!

Paul und ich haben noch zwei Tage. Chris noch einen und Steff ist bereits ausgeflogen. Als erstes müssen wir uns um die Bikes kümmern, d.h Dreck abwaschen (das wird in einer Textilwaschstraße gemacht) und dann Spedition aufsuchen. Ersteres ist leicht:




...mit der Spedition ist es schon so eine Sache. Da Russland die Regelung hat, dass man persönlich sein Fahrzeug außer Landes bringen muss und es nicht z.B. durch eine Spedition verschicken lassen kann, hat man eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder man verschickt es innerhalb Russlands und holt es spätestens nach einem Jahr nach Einreise wieder heraus oder man versucht den halblegalen Weg über einen Kontaktmann der jemanden kennt der jemanden kennt der das Bike außer Landes bekommt. Dieser Premiumservice hat natürlich auch einen Premiumpreis. Außer Chris entscheiden sich alle für einen Versand nach Moskau.


Abschlussbild mit Pjotr in der Mitte

Am Nachmittag nehmen uns Pjotr und Natascha mit dem Leihwagen an die Küste nach Ola (ist noch ein Stück östlicher). Eine spektakulärer Strand. Die Sonne scheint, eine heftige Brise weht aber man hat einen traumhaften Blick über die umliegende Landschaft mit schneebedeckten Bergen!






Am nächsten Tag mache ich einen kleinen Rundgang durch Magadan. Es ist ein  kompaktes Städtchen, was vor allem daran liegt, das es viele Neubauten bzw. Wohnblöcke gibt. Im Zentrum sieht man noch einige Häuser mit altem Flair und Glanz. Wahrzeichen der Stadt ist die Heilige Dreifaltigkeitskirche mit ihren goldenen Zwiebeldächern.


Dreifaltigkeitskirche
Die Innenstadt ist schön bepflanzt und es geht beschaulich zu. Wenn man sich die Blumen anschaut hat man das Gefühl das erst vor kurzem der Frühling eingesetzt hat, alles blüht und frischen Grün spitzt überall hervor. Aber es ist schon Mitte August!

In der Stadt

Eingang zum großen Stadtpark

Am Abend sacken uns Pjotr und Natascha wieder ein und überraschen uns mit einem Grillabend am Meer! Was für ein schöner Abschluss und so beispielhaft für die großartige  russische Gastfreundschaft!

 
Grillabend

Abendstimmung

Nun gehen 5 Wochen einer intensiven Reise zu Ende. Die mongolische Hauptstadt Ulaan Batar liegt gefühlt viel weiter weg. Eine Reise die den Kopf wieder mal so richtig leer machte und von allen Problemen der Heimat ablenkte. Eine Reise die aufzeigte wie wichtig es ist zusammen zu halten obwohl man sich kaum kennt. Eine Reise die materialmordender kaum ging. Eine Reise die einen die eigenen körperlichen als auch physischen Grenzen aufzeigte. Eine Reise die den Horizont erweiterte.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei der Leserschaft und bin voller Vorfreude auf die Fortsetzung der Reise nächstes Jahr ab Moskau!

 
Flughafen Magadan